Doktor FreakOuts Sprechstunde

Alle Kassen, mit Ausnahme der gesetzlichen.

Das 1. Mal – Auskunft auf einer Intensivstation

Narkosearzt unterwegs.

Hallo Besucher,

Sie sind sehr besorgt, weil wir einen Menschen in unserer Obhut haben um den Sie sich Sorgen machen. Das tun wir auch.
Was uns unterscheidet sind die Werkzeuge und Techniken die wir einsetzen, damit es dem von ihnen geliebten und von uns behandelten Menschen bald wieder besser geht. Und die Sprache. Im Notfall Hörer abnehmen
Die Abläufe, Therapieansätze und die Organisation einer Intensivstation sind relativ kompliziert und deshalb benötigt man auch sechs Jahre Studium, fünf Jahre Facharztausbildung, ein Jahr Zusatzausbildung und diverse Weiterbildungsmaßnahmen um Intensivmedizin so richtig verstehen zu können. Deshalb wird ihnen der Sohn der Nachbarin (der arbeitet bei der Feuerwehr), die Suchmaschine ihres Vertrauens (“Intensivstation Aufenthalt zeitraum”) und auch nicht die Bäcker.blume die Antworten geben können die Sie hören wollen.

Die für Sie relevanten Information hat immer die Pflegekraft die den von ihnen geliebten Menschen umsorgt. Ja, Sie wollen einen Arzt sprechen und das kann ich auch verstehen. Wenn Sie…

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iamamiwhoami – Chasing Kites

It’s a thin thin line and I’ve walked both sides of it
Seen the other side appear so tempting worth dying for it
And your limbs aching out of want
Absorbing your every thought
Worth risking it all for working its wonders now for you

Over the ocean outcast with nowhere to go (nowhere to go, nowhere to go)
A brighter forecast, new winds will blow (we let go, let it go)
The storm that’s drawing near, will calm and the air is clear
Waste my youth chasing kites I know will blow out of my hands

Push our heads in the sand, there is nothing here to seek
No discovery of mine will be safe in these seas
You feel that bitter taste on your tongue
Swallow your every wrong
Let your sins fill your lungs
Ending all worries now for you

Over the ocean outcast with nowhere to go (nowhere to go, nowhere to go)
A brighter forecast, new winds will blow (we let go, let it go)
The storm that’s drawing near, will calm and the air is clear
Waste my youth chasing kites I know will blow out of my hands

Overlooking our past letting it go
A brighter forecast, new winds will blow
The storm that’s drawing near, will calm when the air is cleared
Waste my youth chasing kites I know will blow

Eine Sau, sie alle durch den Ort zu treiben

Oh, es wird wahrlich Zeit, mich mal richtig auszukotzen.

Es geht mal wieder um das leidige Thema #Analogbotschaft mit dem @turbozopf in der unrühmlichen Hauptrolle. Oder besser, es geht immer noch um dieses Thema. Zum Missfallen vieler.

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte, der lese bitte hier nach und bringe sich selber auf den aktuellen Informationsstand:

analogbotschaft.wordpress.com

Lange war es ruhig in dieser Sache, doch die beteiligten Protagonisten lassen verständlicherweise nicht locker und fragten dieser Tage mal ganz unverbindlich nach, wie so der Stand der Dinge ist.

Kaum nachgefragt, kriechen an allen Ecken und Kanten zahlreich Gutmenschen aus ihren Gutmenschenhöhlen und prangern den vermeintlichen und in ihren Augen gänzlich unberechtigten Shitstorm gegen den allseits beliebten und allem gebotenen Anschein nach unfehlbaren @turbozopf mit Vehemenz an.

Ich weiss, spätestens jetzt schreien die glühenden Anhänger des Zopf wieder auf, verweisen auf die vermeintliche Unschuld des Angeklagten und überhaupt, was habe ich denn damit zu tun? Geht es mich was an? Bin ich beteiligt?

Ja und nein.

Direkt bin ich nicht beteiligt. Weder habe ich meine Tweets seinerzeit zur Verfügung gestellt, noch habe ich Karten bestellt und sie dann nicht erhalten. Richtig. Doch indirekt habe ich sehr wohl was damit zu tun. Immerhin flimmert dieses Thema regelmässig über meine TL. Ich stehe mit dem einen oder anderen Betroffenen in Kontakt. Außerdem habe ich damals den Zopf bei der “Holt die unschuldige Alice aus dem Knast!”-Spendenaktion unterstützt, weil ich ihn für interger und ehrlich hielt und schon alleine aus dem Grund maßlos enttäuscht bin. Also bilde ich mir meine Meinung und tue sie hier kund.

Ich bin auch im RL in den letzten Jahren derbe auf die Fresse gefallen. Nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell. Daran waren maßgeblich einige Menschen beteiligt, die viel versprachen, grosse Töne spukten und gerne Geld verbrannten, dass ihnen nicht zustand. Zum grösseren Teil eben auch mein Geld. Letztlich bezahle ich als einziger heute die Zeche dafür und die Verantwortlichen sind alle mit einem blauen Auge davon gekommen. Dreist kommt weiter, diese Lektion musste ich schmerzlich lernen. Das Verhalten und die Taktik des Zopf kommt mir daher sehr bekannt vor. Es wird eine vermeintliche Expertise vorgegeben und es werden blumige Ansagen gemacht. Eingehüllt in ein schier unerschütterliches Ego werden Kritiker aller Couleur pampig und mit anzüglicher Arroganz niedergemacht. Die Unfehlbarkeit des Zopf ist nicht in Frage zu stellen. Schuld sind immer die anderen, die Idioten, die Trottel, die Kretins. Wer sich kritisch äußert, wird zum Gollum degradiert.

Fakt ist: Der Zopf hat Gelder Dritter unterschlagen. Er ist seinen Lieferverpflichtungen Dritte gegenüber nicht nachgekommen. Er ist seinen Zahlungsverpflichtungen den Autoren gegenüber nicht nachgekommen. Er hat die Spenden an die DKMS nicht weitergeleitet. Das alles wiegt schwer und dürfte, vorausgesetzt jemand unternähme diese Schritte, erhebliche zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass mittlerweile sogar die Grenze zum strafrechtlichen Bereich überschritten wurde. Aber das mögen ggf. juristisch fachkundige Personen bewerten.

Daher ist mir diese bedingungslose Unterstützung des Zopf völlig unbegreiflich. Mal im ernst: Gerade als Gutmensch müsste man sich doch enttäuscht abwenden oder zumindest die sofortige Auszahlung aller Beträge fordern. Der Zopf hat vielleicht am Anfang Fehler gemacht. Vielleicht war er überfordert. Vielleicht lief alles nicht so rund wie er sich das vorgestellt hat. Doch allerspätestens seit dem Offenen Brief der Autoren und seinem Versprechen, das alles so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen, hätte was passieren müssen. Dann hätte auch niemand mehr was gesagt. Fehler macht schließlich jeder mal. Aber jeder muss sich seiner Verantwortung stellen. Doch die Wahrheit ist: Passiert ist bis zum heutigen Tage nichts! Nicht ein Cent ist geflossen!

So bleibt das Bild eines arroganten Twitterers und Möchtegern-Geschäftsmannes, der letztlich tun und lassen kann was er will, da es immer genug Dumme gibt, die ihm weiter folgen und jegliches Fehlverhalten kategorisch ausblenden.

Bitte, liebe Verehrer des Zopfes, die dieses Pamphlet hier lesen und denen gerade die Galle aufsteigt ob dieser ungehörlichen blasphemischen Worte: Entfolgt mir und verschont mich in Zukunft mit eurem Gutmenschen-Gesabbel. Es ist mir mittlerweile unerträglich geworden. Für die Unterstützung eines Betrügers habe ich beim besten Willen kein Verständnis mehr. Hätte ich Geld von ihm zu bekommen, würden sich die Briefe meines Anwaltes bereits auf seinem Schreibtisch stapeln, dessen könnt ihr euch sicher sein.

Kribbelmomente. (Achtung, kitschig.)

Eine der tollsten Liebeserklärungen seit langem.

Böller und das Elend dieser Welt

Alle Jahre wieder kommt die immer selbe Diskussion darüber auf, wie sinnvoll oder sinnbefreit es doch sei, für Silvesterfeuerwerk und -böller Geld auszugeben. Mit der Zuverlässigkeit eines schweizer Uhrwerks kommen nach Weihnachten die Moralapostel dieser Republik aus ihren gutbürgerlichen Vororthöhlen gekrochen und erheben den Zeigefinger des schlechten Gewissens. Erheben vielfach das mahnende Wort im Angesicht des desaströsen Zustandes des Menschengeschlechts. Fordern zur bedingungslosen Abgabe jedes nicht dringend benötigten Cents an all die mühselig Beladenen dieser Welt. Recht so, möchte man meinen und dabei eifrig zustimmend nicken, bis die Halswirbelsäule krachend zersplittert. Man möchte gar einem jeden Käufer dieser explosiven Ware die Knarre an den Kopf halten und schreien:”Halte ein, du gottloser Ficker! Mit dem Kauf dieses schwarzpulvrigen Teufelswerks tötest du Kinder in Afrika!”

Das ist doch alles Bullshit!

Tauchen wir einen kurzen Augenblick ein in die Erinnerungen meiner Kindheit. Aufgewachsen auf dem Lande, in einem 900-Seelen Nest am Rande eines Flusses. Computer und Handys gab es noch nicht und im Fernsehen liefen nur drei Programme. Man hatte echte Freunde, mit denen man durch dick und dünn ging. Mit denen man von morgens bis abends durch die Gegend streifte, stets auf Abenteuer und Schabernack aus. Und jedes Jahr nach Weihnachten fieberten wir Silvester entgegen. Wir konnten den Verkaufsbeginn der Feuerwerksartikel kaum erwarten. Raketen waren uns egal, uns ging es um die Böller. Umso grösser und lauter, umso besser. Das schwarzpulverbasierte Knallwerk war unser Adrenalin. Mit diebischer Freude wurden natürlich bereits Tage vor dem Jahreswechsel die Kanonenschläge gezündet, auf das die Fensterscheiben der Nachbarn zitterten. Dann nahm man die Beine in die Hand und rannte, was die Lungen hergaben, den oftmals kam besagter Nachbar wutschnaubend aus der Behausung gerannt und eilte brüllend hinter uns her. War das ein Spass! Wir waren Jungs und Jungs tun so etwas eben. Jungs sind wild. Jungs sind laut. Und Jungs knallen zu Silvester mit Böllern, was gibt es da denn noch zu diskutieren?

Heute bin ich erwachsen und habe selber einen Jungen. Er ist 10 Jahre alt und er liebt Böller. Nicht mehr und nicht weniger als andere Jungs in seinem Alter. Ich persönlich bräuchte diese Knallerei gewiss nicht, mich nervt sie mittlerweile eher. Sie ist teuer und überflüssig. Man stinkt hinterher nach dem Zeug und die Ohren klingeln. Bevor ich Papa wurde, hatte ich schon über 10 Jahre lang nicht mehr zu Silvester geknallt. Jetzt kauf ich wieder Feuerwerk, meinen Kindern zuliebe. Und dieses Jahr ist ein besonderes Jahr: Nach langer Krankheit bin ich wieder gesund und kann im Kreise meiner Familie feiern. Die letzten Jahre habe ich am 31.12. stets gearbeitet und war nicht daheim.

Und jetzt frage ich euch: Soll ich heute Abend den moralinsauren Appell anstimmen und meinen Kindern, allen voran meinem ältesten Sohn erklären, dass dieses Jahr und für immer im Hause Freakout nicht geknallt wird, weil die Welt so schlecht und böse ist und anderswo Menschen hungern, in Kriegen fallen und gefoltert werden? Soll ich ihm erklären, dass ich das Geld für Ärzte ohne Grenzen und Amnesty International gespendet habe, damit diese Welt eine bessere wird? Das könnte ich tun, aber dann würde ich in Kauf nehmen, dass die Welt meines Sohnes eine schlechtere wird. Das er heute keinen Spass haben darf und zugucken muss, wie andere ihn haben. Ich würde ihm ein Stück seiner wilden Kindheit nehmen. Er würde dadurch womöglich reifer und erwachsener werden, aber will ich das denn überhaupt? Himmel, NEIN! Er soll ein Kind bleiben dürfen, solange er es für richtig hält. Erwachsen wird er noch früh genug. Probleme werden in seinem Leben schneller auf ihn zukommen, als ihm lieb ist. Umso später das der Fall ist, umso besser. Und an mir selber sehe ich ja, dass es jetzt nicht sooo schädlich war. Ich habe irgendwann ganz von selber die Unsinnigkeit an der Sache erkannt und es dann gelassen. Das wird ihm sicher auch gelingen, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Und wenn ich ihm erkläre, dass die Welt schlecht ist, dann muss ich ihm auch erklären, dass es auch an den Menschen liegt, die heute einen hohen Betrag für Champagner und Kaviar ausgeben. Das es auch an den Menschen liegt, die ihr Geld für teuren Schmuck und Kleidung ausgeben. Die Luxusautos fahren. Die millionenteure Immobilien in bester Lage erwerben. Die an einem Tag mehr Geld ausgeben, als andere in ihrem ganzen Leben verdienen. Ich muss dann auch darauf hinweisen, dass 10% der Weltbevölkerung 90% des Geldes besitzen. Das Staaten bis zu einem Drittel ihres Haushaltes für Militär ausgeben und Kriege führen, die zigtausende Todesopfer fordern. Oh ja, ich müsste ihm soviel erklären.

Heute stelle ich mich schützend vor meine Kinder und halte die Grausamkeiten dieser Welt von ihnen fern, indem ich ihnen einen tollen und friedlichen Abend ermögliche. Dazu gehört selbstverständlich auch das Feuerwerk und Knallerei. Und ist in meinen Augen damit jeden ausgegebenen Cent wert!

Guten Rutsch!

Das System der Angst

Am 01.01.2015 feiern wir einen Geburtstag. Hartz IV wird 10 Jahre alt. Ich las die Tage einen sehr guten Kommentar dazu in der Süddeutschen Zeitung. Schonungslos und absolut treffend rechnet Heribert Prantl mit diesem unmenschlichen Gesetz ab. Ich zitiere einige prägnante Aussagen:

“Hartz IV hat die Schuld an der Arbeitslosigkeit an diejenigen abgeschoben, die arbeitslos sind.”

“..Riesensubventionsprogramm für Niedriglöhne.”

“…Verunsicherungsgesetz.”

“Der Sanktionsparagraf 31 des Sozialgesetzbuchs II […]behandelt die Leute als potenzielle Faulpelze, denen man die Faulpelzerei auf Schritt und Tritt austreiben muss.”

Doch die Schikane der Betroffenen ist meiner Ansicht nach noch nicht einmal der schlimmste Effekt dieses Gesetzes. Die Wirkung der Hartz IV Gesetze geht weit über die Sanktionen im Sinne eines “Fordern & Fördern” hinaus. Das Gesetz wirkt sich auf unser aller Leben aus. Ganz unterschwellig und unbewusst. Ich will das anhand eines Tweets deutlich machen, den ich heute morgen las und retweetete:

Lasst diesen Tweet mal einen Moment lang auf euch wirken. Was ist die erste Emotion, die bei euch hochkam? Ich bin mir sicher, bei ganz vielen war es schlicht Angst!

Angst davor, in dieselbe Situation zu kommen. Denn es kann, und das ist der eigentliche Grund für die Einführung von Hartz IV, jeden treffen. Wirklich JEDER kann aus vielerlei Gründen binnen eines einzigen Jahres auf Hartz IV abstürzen und lebt von dem Moment an am gesetzlich definierten Existenzminimum. Beugt er sich dann nicht diesem widersinnigen System aus nutzlosen Bewerbungstraining-Maßnahmen und qualitativ miesen Fortbildungskursen für Office-Anwendungen oder dergleichen mehr, kann er sanktioniert werden. Heisst im Klartext: Kürzungen der finanziellen Leistungen, die sich ja sowieso schon am Existenzminimum befinden. Wie abartig das ist, muss man gar nicht erwähnen.

Jeder Mensch in Deutschland, der halbwegs bei Verstand ist, hat begriffen, dass man binnen eines Jahres aus nahezu jeder beruflichen Situation heraus – meist unverschuldet – in die Armut abrutschen kann. Mit diesem imaginären Damoklesschwert über dem Kopf schuften wir alle seit 10 Jahren bis zum Umfallen. Die Angst, seinen Job zu verlieren, ist zu einer realen Existenzangst geworden. Also lassen wir uns noch mehr knechten und zu noch mehr Leistung zwingen, akzeptieren willig jede Einschränkung und Demütigung. Sind zu allem bereit, um unseren Arbeitsplatz “zu retten”. Wir alle sind Zeugen der Abschaffung der Sozialdemokratie und dabei mehr und mehr zu Sklaven eines brutalen Kapitalismus geworden.

Vor 10 Jahren schuf Gerhard Schröder und die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) ein perfides System der (Existenz-)Angst. Im Verlauf der Jahre sind wir in der Folge der Hartz IV Gesetze alle zu egoistischen Einzelkämpfern geworden. Jeder ist sich selbst der nächste. Jeder kämpft für sich alleine. In Deutschland hat sich ein Klima der sozialen Kälte ausgebreitet. Man sieht das jeden Tag in den Nachrichten. Es wird nicht mehr gestreikt und wenn gestreikt wird, dann regen sich die vom Streik direkt und indirekt Betroffenen darüber auf und fordern vehement harte (gesetzliche) Maßnahmen, damit so ein Arbeitskampf in Zukunft nicht mehr vorkommen kann. Stichwort GDL. Solidarität ist zu einem Fremdwort geworden. Solidarität bedeutet, aus dem eigenen Schatten hervorzutreten, sich für die Belange anderer einzusetzen und dabei auch billigend in Kauf zu nehmen, womöglich selber zum Ziel von Repressalien zu werden. Mittlerweile ist das in unserer Arbeitswelt undenkbar geworden. Zu gross ist die Angst geworden, den Arbeitsplatz zu verlieren und in einem Jahr eventuell bei der Tafel einkaufen zu gehen. Unsere Arbeitgeber wissen das. Ihre Forderungen und Ansprüche an die Leistungen eines Arbeitnehmers sind in den letzten Jahren immer dreister geworden. Immer unverhohlener präsentieren die Wirtschaftsbosse nach Art eines Henry F. Potter ihre kapitalistische Fratze. Heulen beim geringsten sozialpolitischen Vorstoss wie zum Beispiel der Einführung des Mindestlohnes los und dreschen die ewig gleichen Phrasen vom nahe bevorstehenden Untergang des Wirtschaftsstandortes Deutschland. So oft wie der heraufbeschworen wurde, müssten wir längst wieder grunzend und mit Tierfellen bekleidet in Höhlen ums Lagerfeuer sitzen. Gleichzeitig gehen immer mehr Menschen auf die Straße und protestieren gegen den Islam, gegen den Euro, gegen Europa, schlicht gegen alles, was vermeintlich Schuld ist an der ganzen Misere in unserem Land. Die Angst hat viele von uns blind gemacht. Zu blind um zu erkennen, wer unsere wahren Feinde sind. Zu blind um zu erkennen, wer für den täglichen Überlebenskampf, der uns aufgebürdet wird, letztlich verantwortlich ist.

Es wird Zeit, dass wir aufstehen und den Bühnenvorhang runterreissen. Schluss mit dem Theater! Fangen wir an, wieder füreinander einzustehen. Lasst uns wieder hinschauen statt wegzusehen. Wenn wir einfach nicht mehr mitspielen und gemeinsam für eine echte Veränderung eintreten, kann die Angst uns nicht beherrschen. Denn dann sind wir nicht alleine. Dann haben wir auch in schlechten Zeiten uns. Es fängt mit dem Erkennen an und hört mit einer besseren Welt auf. Nur so kann es funktionieren.

Reduktion

Das Problem von uns Menschen ist, das wir reduzieren. Wir reduzieren unsere Mitmenschen. Wir reduzieren uns selbst. Auf den Körper. Auf das was wir sagen. Auf das was wir tun. Auf unsere Kleidung. Auf unser Auto. Auf unsere Blogposts. Auf unsere Tweets. Wir reduzieren, wann immer wir können. Wir reduzieren Fremde. Wir reduzieren Kollegen. Wir reduzieren Verwandte. Wir reduzieren Freunde. Wir reduzieren unsere besten Freunde. Wir reduzieren unsere Partner. Wir reduzieren unsere Kinder.

Und vergessen ständig, wer wir eigentlich sind. 

Und vergessen ständig, wie groß wir eigentlich sind.

Und vergessen ständig, warum wir eigentlich sind.

Wir vergessen uns.

Reduktion.

 

Auf ein offenes Wort

Heute ist so ein Tag, an dem ich Twitter wirklich hasse. An dem ich am liebsten die verschissene App löschen möchte. Oder jemanden auf die Fresse hauen. Solche emotionalen Ausbrüche kommen meist dann zustande, wenn man verletzt wurde.

Ich hatte, wie ja die meisten sicherlich mitbekommen haben, Krebs. Ich bin damit sehr offen umgegangen und habe sogar zwischenzeitlich einen extra Blog zu dem Thema geführt. Der ist aus vielerlei persönlichen Gründen derzeit offline. Das erwähne ich hier nur am Rande, falls jemand sich fragt, wo der denn geblieben ist. Doch zurück zum Thema.

Der Krebs hat mich ein ganzes grosses Stück geerdet. Hat mir in vielen Punkten vor Augen geführt, was eigentlich wichtig ist im Leben. Und einer der Punkte, die ich gelernt habe – womöglich der wichtigste von allen – ist, für sich einzustehen. Die Macht über sein eigenes Leben zu ergreifen bzw. diese zurück zu erlangen. Dazu gehört auch, die Dinge aus- oder anzusprechen, die einen nerven. Oder die einen verletzt haben. Die Dinge, die man so nicht einfach hinnehmen möchte. Ich bin nicht mehr bereit, einfach nur runterzuschlucken. Ich kaue die Scheisse jetzt durch. Und spucke sie, wenn erforderlich, dem Betreffenden wieder vor die Füsse. Und da spielt es keine Rolle, in welchem Umfeld so etwas stattfindet. Das kann dann eben auch Twitter sein.

Gestern Abend erlebte ich auf Twitter einen Augenblick, der mich sehr glücklich gemacht habe. Über den ich mich als Mensch riesig gefreut habe. Einer meiner Lieblingstwitterer, dem ich schon lange folge, veröffentlichte folgende Tweets:

Und dann folgte er mir.

Ich war wirklich gerührt. So eine Ansage bekommt man schließlich nicht jeden Tag. Und ich weiß ja, dass der Silbereisen mit solchen Sprüchen nicht gerade um sich wirft. Er ist, um es genau zu sagen, das exakte Gegenteil eines “EMO-Accounts”.

Heute morgen dann bekam ich den derben Tritt in die Weichteile: Er war mir wieder entfolgt! Keine 12 Stunden hat er es ausgehalten.

Ich komme mir einfach nur dämlich vor. Ich weiß, dass klingt jetzt weinerlich und albern, aber vielleicht liegt es an dem, was ich die letzte Zeit durch gemacht habe. Neben meiner Erkrankung bin ich auch von vielen Menschen enttäuscht worden. Mag sein, dass ich einfach etwas sensibler geworden bin. Daran gewöhnt man sich eben nicht so ohne weiteres. Ich komme mir vor wie so ein “One-Night-Stand”, wie eine Frau, die man am Vorabend besoffen abgeschleppt hat. Und wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht und verkatert denkt: “Fuck, wo kommt die denn her?”, um ihr anschließend die Klamotten vor den Latz zu knallen und zu sagen, sie möge sich verpissen. Sowas macht man auch nicht, wenn man einen Funken Anstand besitzt.

Ich reagierte mit dem winkenden Zaunpfahl:

Seine Reaktion darauf:

Der nächste Tritt in das verbliebene Ei. Tat aber genauso weh, als wenn ich noch zwei davon hätte. Ein Kumpel, ebenfalls auf Twitter unterwegs, interpretierte den Satz so, dass er den ganzen Tag besoffen gewesen sei und nicht nur am “Abend”. Mag sein, dass er es so gemeint hat. Ich habe es leider anders interpretiert. So ein wenig in die Richtung: “Was willst du denn? Lern erstmal richtig Deutsch…!”.

Lieber Silvereisen, ich will mal ganz offen zu dir sein:

Du bist ein Arschloch!

Wie asozial ist das bitte, so ein Feuerwerk an einem Abend abzubrennen und dann am nächsten Tag so eine Nummer abzuziehen? Ich weiß ich weiß, dass ist nur Twitter. Aber das sind nicht NUR Menschen, die da am anderen Ende an den Tasten sind. Das sind womöglich genauso Menschen wie du, die genauso ein SCHEISS JAHR 2014 hatten, wie du so treffend erwähnt hast. Womöglich sitzen da Menschen, die auch die sozialen Kontakte auf Twitter lieben und schätzen gelernt haben. Denen diese Menschen was bedeuten. Ihren Humor teilen. Ihre Emotionalität teilen. Was auch immer. Denen diese ganze Kacke schlicht WICHTIG ist! Wenn du so ein menschenverachtender Misanthrop bist, dann lass doch in Zukunft einfach die Finger von Twitter und guck dir stattdessen ein paar Youtube Kochtutorials an oder pimmel auf Knuddels rum, wenn du einen im Tee hast. Hauptsache, du lässt so einen Mist in Zukunft sein.

So, ich trink jetzt weiter Bier. Ich habe nämlich auch schon einen im Tee.

Charmanten 4. Advent noch.

Geistiges Eigentum

Meg

„Um Twitter zu verstehen, musst Du twittern.“

Mehr muss man an sich nicht wissen. Sagt man.
Und dann kommt es doch ein wenig anders.

Am 18.12.2013 habe ich mich bei Twitter angemeldet. Es war mein 3. Versuch mich mit diesem Netzwerk anzufreunden. Der Grund? Rein beruflich.

Meinen ersten Tweet gibt es nicht mehr, den habe ich längst gelöscht, als ich erfahren habe, dass man ihn ganz einfach mit

https://discover.twitter.com/first-tweet#meg_gyver

rausfinden kann. Der jetzige „Erste“ ist auch kein Knaller, aber zumindest nichts, wofür ich mich schämen müsste.

Die erste Zeit verbrachte ich damit, dass ich las. Ich suchte nach Freunden und Bekannten – ein Anfänger-Fehler 😉 – und hangelte mich über deren Follower und Twitterer, denen sie folgten immer weiter und tiefer in das Dickicht dieser Welt, die weltweit als „Kurznachrichten-Netzwerk“ gilt.
Ihr kennt sicher diese tollen Geschichten, in denen Menschen Twitter ihr Leben verdanken, weil sie rechtzeitig vor dem nahenden…

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MadeByTwitter – Licht und Schatten eines Kurznachrichtendienstes

Auf Twitter wurde die Tage mal wieder eine Sau durch die Gassen getrieben. Nein, Moment! Eigentlich waren es zwei Säue. Doch eines nach dem anderen.

Fangen wir mit der ersten “Sau” an.

Der geschätzte @Moltroff , seines Zeichens engagierter Twitterer, setzte sich an die Spitze einer Bewegung, die sich gegen die Veröffentlichung des Buches “Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten” aus dem Riva-Verlag richtete. Veröffentlicht wurde das Buch durch die Made my Day GmbH, die allseits bekannt ist von der Facebook-Seite “Made My Day”, welche mittlerweile an die 2,5 Millionen “Follower” hat und dadurch glänzt, dass sie nahezu ausschließlich Tweets von Twitter kopiert und diese ohne Angabe der Quelle oder des Verfassers veröffentlicht.

Details und Einzelheiten mag man dem ausführlichen Blog http://moltroff.wordpress.com/2014/12/10/gedankenhehlerei-2-0-copy-my-day/ entnehmen. Da steht alles drin, was man zu dem Fall wissen muss.

Mein persönlicher Beitrag zu dieser Treibjagd durch das Internet und die Untiefen des Urheberrechts war lediglich die Veröffentlichung einer negativen Rezension auf der Verkaufsseite von Amazon sowie der Hashtag #madebytwitter , unter dem sich fortan Gleichgesinnte im Kampf gegen den dreisten und kommerziellen Tweetklau organisieren konnten. Ansonsten zog ich mich aus dieser Angelegenheit weitestgehend zurück.

Nun, man darf und muss dem Moltroff hier an dieser Stelle gratulieren. Mit fast schon an Fanatismus grenzenden Beharrlichkeit hat er es geschafft, dass die Produktion und der Vertrieb des Buches seitens des Riva-Verlages eingestellt wurde. Auf Amazon wird das Buch nicht mehr gelistet.

In der Sache habe ich Moltroff immer unterstützt. Ich war und bin dagegen, dass jemand wie ein Alex J. Bitschnau, der Geschäftsführer der Made My Day GmbH, mit einem lächerlichen geringen Aufwand die geistigen Leistungen Dritter in bare Münze verwandelt, ohne die Urheber daran finanziell zu beteiligen. Der damit erwirtschaftete Betrag dürfte nicht allzu gering sein. Es kursieren im Netz Vermutungen, das Herr Bitschnau monatlich mindestens einen fünfstelligen Eurobetrag alleine nur durch Werbeeinnahmen umsetzt. Er ist dabei noch nicht einmal, oder vielleicht gerade deswegen bereit, eine simple Quellenangabe unter die Sprüchebildchen zu setzen und gibt sie damit schlicht als seine eigene Leistung aus. Und alleine das verstösst gegen die einfachsten Regeln von Anstand und Moral. Und eben auch in vielen Fällen gegen das geltende Urheberrecht.

Doch kommen wir zur zweiten “Sau”.

Inmitten dieses epischen Kampfes “David von Twitter” gegen den Goliath der Sprüchebildchen fing die Lichtgestalt Moltroff an zu flackern. Grund waren mehrere Tweets von @Jedi_am_Mittag , die den Moltroff schlicht des Tweetklaus beschuldigten.

In diesem, von mir retweetet, wie auch in sechs weiteren Tweets listete @Jedi_am_Mittag Tweets auf, die der Moltroff augenscheinlich bei anderen Twitterern “geklaut” hat. Ich habe das selber nachgeprüft und die Vorwürfe waren soweit ich das beurteilen konnte valide. Allerdings war es mir natürlich nicht möglich zu eruieren, ob die vermeintlichen “Urheber” der Tweets diese nicht auch irgendwo kopiert haben, sei es bei anderen Twitterern oder irgendwo im weltweiten Internetz.

Ich war im ersten Moment sprachlos. Und ich war wütend. “Das darf doch wohl nicht wahr sein!” waren meine ersten Gedanken. Aus dieser anfänglichen Verärgerung resultierte auch der Retweet. Danach ließ ich die Sache erstmal auf sich ruhen. Gestern beschloss ich dann, den Moltroff einfach mal anzuschreiben und ganz persönlich um eine Stellungnahme zu bitten.

Und stellte fest, dass er mich geblockt hat. Aha. Der getroffene Maulwurf.

Schnell war klar: Ich war nicht der Einzige. Und er hatte in der Zwischenzeit auch alle verfänglichen Tweets gelöscht. Eine reine Weste dank dem Einsatz von hochkonzentrierter Chlorbleiche? Die Vorgehensweise mutet fast schon totalitär an. Kritiker mundtot machen, Beweise vernichten und sich von gutgläubigen Anhängern feiern lassen. Sowas kennt man sonst nur von prominenten Personen der aktuellen Zeitgeschichte. Exemplarisch sei hier der türkische Präsident Erdogan als einer von vielen  genannt.

Da befinde ich mich nun, und vielleicht geht es ja dem einen oder anderen Leser ähnlich, in einer echten Zwickmühle der moralischen Art. Auf der einen Seite bewundere ich das Vorgehen Moltroffs und seine beachtlichen Erfolge gegenüber der Made My Day GmbH und möchte diese nicht schmälern. Auf der anderen Seite verurteile ich seine eigene Tweetklauerei und vor allem sein Vorgehen gegenüber Kritikern seit der Aufdeckung derselbigen. Ich lasse mich dazu hinreissen, es nur ungeschickt zu nennen. Und ich habe mich vor allem gefragt: Warum klaut der Moltroff Tweets, geht aber auf der anderen Seite so vehement gegen Tweethehlerei vor? Das macht doch überhaupt keinen Sinn.

Da kam mir in den Sinn, dass er womöglich diese Tweets gar nicht wissentlich geklaut hat. Eventuell hat er dieses Sprüche bei derselben dritten Quelle gemopst wie der vermeintliche Urheber der Sprüche. Möglicherweise ist der Sprücheklau verbreiteter als man denkt. Das Internet ist voll von Sprüche- und Witzeseiten und in den wenigsten Fällen wird der Urheber eines Spruches oder Witzes genannt. Ich vermute aus dem Grund, dass er schlicht nicht bekannt ist. Wer kennt schon die Verfasser all der ganzen “Mein Name ist Hase”-Witze oder der Ostfriesen-Witze oder…oder…oder. Ich kann mir gut vorstellen, wie das läuft, wenn man mit einem guten Tweet glänzen will, die Muse aber gerade ihre Tage hat und unwillig ist, einem den Zungenkuss der Kreativität zu geben.

Ich habe nämlich schon selber Sprüche geklaut und werfe nun den ersten Stein:

Den zum Beispiel hat mir ein Kumpel erzählt:

Den hier habe ich auf einer Witzeseite geklaut:

Das sind nur zwei Beispiele, die mir spontan eingefallen sind. ich lade sie alle ein, selber nachzuforschen, ob sich unter den knapp 29K Tweets nicht noch weiteres Plagiat findet.

Der Moltroff hat fatalerweise das getan, was Maulwürfe am besten können: Er hat sich vergraben und nicht den Dialog gesucht. Er ist unglücklicherweise nicht offen mit seinen Fehltritten umgegangen. Dies hat bei den Followern zu dem unvermeidlichen Eindruck geführt, er habe was zu verbergen. Das ganze Gute, dass er vollbracht hat, hat ein gewisses “Geschmäckle'” bekommen. Viele Follower haben in der Folge ihre Unterstützung für die sinnvolle Aktion eingestellt. Leider.

Wir sind uns sicherlich alle einig, dass das die schlechteste aller Strategien in so einer Situation ist. Besser wäre es in so einem Fall, die Verfehlungen einzugestehen und idealerweise sogar die Gründe zu benennen. Jeder Mensch macht Fehler. Offenheit gegenüber den eigenen Vergehen ist meist die beste Strategie, den Kritikern und Hatern rasch den Wind aus den Segeln zu nehmen und die raue See wieder zu beruhigen.

Ich kann nur für mich ganz persönlich sprechen: Meiner Ansicht nach ist es noch nicht zu spät, den Dialog zu suchen und offen auf die Kritiker zuzugehen. Ich bin mir sicher, es würde sehr positiv aufgenommen werden.