Auf ein offenes Wort

by doktorfreakout

Heute ist so ein Tag, an dem ich Twitter wirklich hasse. An dem ich am liebsten die verschissene App löschen möchte. Oder jemanden auf die Fresse hauen. Solche emotionalen Ausbrüche kommen meist dann zustande, wenn man verletzt wurde.

Ich hatte, wie ja die meisten sicherlich mitbekommen haben, Krebs. Ich bin damit sehr offen umgegangen und habe sogar zwischenzeitlich einen extra Blog zu dem Thema geführt. Der ist aus vielerlei persönlichen Gründen derzeit offline. Das erwähne ich hier nur am Rande, falls jemand sich fragt, wo der denn geblieben ist. Doch zurück zum Thema.

Der Krebs hat mich ein ganzes grosses Stück geerdet. Hat mir in vielen Punkten vor Augen geführt, was eigentlich wichtig ist im Leben. Und einer der Punkte, die ich gelernt habe – womöglich der wichtigste von allen – ist, für sich einzustehen. Die Macht über sein eigenes Leben zu ergreifen bzw. diese zurück zu erlangen. Dazu gehört auch, die Dinge aus- oder anzusprechen, die einen nerven. Oder die einen verletzt haben. Die Dinge, die man so nicht einfach hinnehmen möchte. Ich bin nicht mehr bereit, einfach nur runterzuschlucken. Ich kaue die Scheisse jetzt durch. Und spucke sie, wenn erforderlich, dem Betreffenden wieder vor die Füsse. Und da spielt es keine Rolle, in welchem Umfeld so etwas stattfindet. Das kann dann eben auch Twitter sein.

Gestern Abend erlebte ich auf Twitter einen Augenblick, der mich sehr glücklich gemacht habe. Über den ich mich als Mensch riesig gefreut habe. Einer meiner Lieblingstwitterer, dem ich schon lange folge, veröffentlichte folgende Tweets:

Und dann folgte er mir.

Ich war wirklich gerührt. So eine Ansage bekommt man schließlich nicht jeden Tag. Und ich weiß ja, dass der Silbereisen mit solchen Sprüchen nicht gerade um sich wirft. Er ist, um es genau zu sagen, das exakte Gegenteil eines “EMO-Accounts”.

Heute morgen dann bekam ich den derben Tritt in die Weichteile: Er war mir wieder entfolgt! Keine 12 Stunden hat er es ausgehalten.

Ich komme mir einfach nur dämlich vor. Ich weiß, dass klingt jetzt weinerlich und albern, aber vielleicht liegt es an dem, was ich die letzte Zeit durch gemacht habe. Neben meiner Erkrankung bin ich auch von vielen Menschen enttäuscht worden. Mag sein, dass ich einfach etwas sensibler geworden bin. Daran gewöhnt man sich eben nicht so ohne weiteres. Ich komme mir vor wie so ein “One-Night-Stand”, wie eine Frau, die man am Vorabend besoffen abgeschleppt hat. Und wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht und verkatert denkt: “Fuck, wo kommt die denn her?”, um ihr anschließend die Klamotten vor den Latz zu knallen und zu sagen, sie möge sich verpissen. Sowas macht man auch nicht, wenn man einen Funken Anstand besitzt.

Ich reagierte mit dem winkenden Zaunpfahl:

Seine Reaktion darauf:

Der nächste Tritt in das verbliebene Ei. Tat aber genauso weh, als wenn ich noch zwei davon hätte. Ein Kumpel, ebenfalls auf Twitter unterwegs, interpretierte den Satz so, dass er den ganzen Tag besoffen gewesen sei und nicht nur am “Abend”. Mag sein, dass er es so gemeint hat. Ich habe es leider anders interpretiert. So ein wenig in die Richtung: “Was willst du denn? Lern erstmal richtig Deutsch…!”.

Lieber Silvereisen, ich will mal ganz offen zu dir sein:

Du bist ein Arschloch!

Wie asozial ist das bitte, so ein Feuerwerk an einem Abend abzubrennen und dann am nächsten Tag so eine Nummer abzuziehen? Ich weiß ich weiß, dass ist nur Twitter. Aber das sind nicht NUR Menschen, die da am anderen Ende an den Tasten sind. Das sind womöglich genauso Menschen wie du, die genauso ein SCHEISS JAHR 2014 hatten, wie du so treffend erwähnt hast. Womöglich sitzen da Menschen, die auch die sozialen Kontakte auf Twitter lieben und schätzen gelernt haben. Denen diese Menschen was bedeuten. Ihren Humor teilen. Ihre Emotionalität teilen. Was auch immer. Denen diese ganze Kacke schlicht WICHTIG ist! Wenn du so ein menschenverachtender Misanthrop bist, dann lass doch in Zukunft einfach die Finger von Twitter und guck dir stattdessen ein paar Youtube Kochtutorials an oder pimmel auf Knuddels rum, wenn du einen im Tee hast. Hauptsache, du lässt so einen Mist in Zukunft sein.

So, ich trink jetzt weiter Bier. Ich habe nämlich auch schon einen im Tee.

Charmanten 4. Advent noch.

Advertisements